Hi, Leute!
Ich bin es wieder, New York. Wie ich euch in meinem letzten Brief versprochen habe, erzähle ich euch heute, wer Virginia ist, die meine beste Freundin im letzten Jahr war und es immer noch ist, und die zusammen mit Concordia auf dem CYD Santa María-Schutzhof arbeitet.
Mein Kollege Fumi sagt, dass Virginia wie eine Fee ist, weil sie immer singt und zu schweben scheint. Aber ich kann ihm nicht hundertprozentig zustimmen. Manchmal, wenn ich einen Hund jage oder ein Halfter zerstöre (weil ich gerade sauer bin) oder andere Pferde trete … ist sie nicht wie eine Fee … sondern schaut mich an, wie eine Hexe!
Die Geschichte von VirginiaWir haben einander vor einem Jahr gefunden. Sie war Journalistin und arbeitete in Madrid, der Hauptstadt von Spanien. Aber vor fünf Jahren kam sie nach Málaga, um Concordia ein bisschen bei der Verwirklichung ihres Traumes unter die Arme zu greifen. Der Traum ist, wir ihr wisst, der CYD Santa María-Schutzhof für misshandelte und verlassene Pferde. Ich erinnere mich, dass sie damals jeder fragte, warum sie ihr schönes Leben in Madrid aufgegeben hat. Viele ihrer Freunde haben sich Sorgen um ihre Zukunft gemacht, aber sie lächelte immer und erklärte, dass sie ihre Entscheidung aus Liebe getroffen hat, und dass alles gut werden würde …
In meinem Fall, muss ich sagen, war es Liebe auf den ersten Blick. Bevor ich sie getroffen habe und bevor mich Concordia gerettet hat, habe ich lange auf meine frühere Besitzerin gewartet. Man muss dazu sagen, dass ich ein „Eine-Frau-Pferd“ bin. Morgens erlaubte ich niemandem, mich anzufassen, weil ich auf sie gewartet habe – meine Reiterin. Einige nette Mädchen haben versucht, sich um mich zu kümmern, aber sie haben nicht verstanden, dass ich auf mein spezielles Mädchen warten musste. Um vier Uhr, wenn sie aus der Schule kam, verließ ich meine Pferdefreunde und stand vor dem Tor, an dem sie normalerweise immer vorbeikam. Es wurde vier Uhr, fünf Uhr, sechs Uhr … um sieben Uhr wurde ich wirklich unruhig!!!! Und sie kam einfach nicht. Heute weiß ich, dass nicht alle Besitzer für immer bleiben.
Warten auf die Pferde-Besitzerin …Das erste Jahr habe ich gehofft und gewartet. Im zweiten Jahr war ich nervös und durcheinander. Im dritten Jahr war ich wütend und im letzten Jahr habe ich mich völlig verlassen gefühlt. Und dann habe ich angefangen, meinen ganzen Körper zu verletzen, indem ich mich immer selbst gekratzt habe. Als Concordia mich rettete, war ich so gut wie tot. Dann brachte sie mich auf den Schutzhof, der jetzt mein geliebtes Zuhause ist, und hier war es, wo ich Virginia getroffen habe.
Ich war traurig, aber eines Tages tauchte sie auf und lachte und sang und putzte und streichelte mich ohne Angst, als wäre ich ein ganz normales Pferd. Sie bewirkte, dass ich mich glücklich fühlte und ich wollte kein Problemfall mehr sein. Aber manchmal, wenn sie nicht hersieht, mache ich immer noch meine Streiche (nichts Ernstes, nur ein paar gebrochene Nasen). Ich will doch meinen Ruf nicht verlieren, das versteht ihr doch, oder?
Heute arbeitet Virginia sehr hart daran, neue Sponsoren und Freunde für unseren Verein zu finden, ich weiß, dass sie manchmal etwas gestresst ist und sich Sorgen um die Zukunft der geretteten Pferde macht … aber ich fühle mich sicher! Ich bin sicher, dass sie mich nie verlassen wird. Was die anderen Pferde angeht … hmmm, nun, Concordia und Virginia machen einen tollen Job, also denke ich, dass das große Wunder früher oder später kommen wird. Wenigstens haben wir sehr gute Freunde in eurem Land, die an uns denken und uns immer wieder helfen!!!!!
Sorry, Leute, aber es ist Zeit für Karotten! Also muss ich jetzt gehen, aber bitte denkt daran, dass auch ihr euch und euerem Pferd immer eine schöne Zeit machen solltet!
Liebe Grüße von New York.